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Die Geschichte des Gewerbeparks
Das Unternehmen „Vereinigte Chemischen Fabriken“ (VCF) entstand am 1. Oktober des Jahres 1910 durch die Zusammenlegung des Betriebes „Dr. Kreidl und Heller“, Gesellschafter waren Gustav Heller und Dr. Ignaz Kreidl, mit dem Unternehmen „Landau & Co“, deren Gesellschafter Dr.Horace Landau und Karl Rosenzweig waren. Beide in Floridsdorf, in der Kohlgasse angesiedelten Betriebe erzeugten und vertrieben chemische Produkte. Erste Hinweise einer industriellen Nutzung an diesem Ort gehen jedoch bereits auf das Jahr 1894 zurück.
Das Produktionsprogramm der VCF umfasste entsprechend dem chemischen und technologischen Wissensstand unter anderem die Herstellung „seltener Erden“ für die Glühstrumpferzeugung, Emailfärbemittel, Kunstharze sowie etwas später auch Saccharin, das in den darauf folgenden Jahrzehnten unter der Marke „Kandisin“ die Entwicklung des Unternehmens ganz wesentlich und positiv prägte. Eine Vielzahl von Patenten und wichtiger Erfindungen zeigt die starke Forschungsorientierung des Unternehmens von Anbeginn.
Zwischen 1938 und 1948 firmierte der während des Krieges den Eigentümern entzogene Betrieb unter „Vereinigte Chemische Fabriken Wien-Floridsdorf, Inhaber: Fridolin Karl Glass“, mit einem wehrwirtschaflichen Produktionsprogamm. Angaben über die Produktion des enteigneten Betriebes können nicht gemacht werden. Nach dem Krieg wurde die Firma ihren ursprünglichen Eigentümern rückgestellt.
Gegen Kriegsende war nicht nur die Erdölraffinerie Shell-Pilzgasse („Aktiengesellschaft der Shell- Floridsdorfer Mineralölfabrik“, ab 1945 „Rhenania Ossag Mineralölwerke AG“), sondern auch der benachbarte wehrwirtschaftliche Betrieb der VCF, definierte Bombenangriffsziele. Es wurden beide Unternehmen völlig zerstört. In zahlreichen Archiven im In- und Ausland findet sich umfangreiches Dokumentationsmaterial, Luftbildaufnahmen, zahlreiche Fotos und Zeugenaussagen belegen das Ausmaß der Zerstörung nicht nur sämtlicher Betriebsanlagen sondern auch der dort gelagerten Betriebsstoffe und Chemikalien.
Die 1949 neu konstituierte Firma „Vereinigte Chemische Fabriken Kreidl, Rutter & Co“ nahm nach Abschluss der sehr schwierigen Aufbauarbeiten sukzessive wieder ihre Produktion auf:
Im Jahr 1973 wurde ein großes Teilstück des Firmenareals an ein schwedisches Unternehmen vermietet und die gesamte chemische Produktion mit Ausnahme der künstlichen Süßstoffe an diese Firma verkauft.
Die Erzeugung und der Vertrieb von „Kandisin-Produkten“ wurde bis in das Jahr 1996 in Eigenregie weitergeführt und dann ebenfalls veräußert.
Ein Chemieunfall auf dem vermieteten Teil des Betriebsareals im Jahr 1984 sowie die Zerstörungen während des Weltkrieges hatten starke Verunreinigugen des Bodens zur Folge.
Die VCF entschloss sich daher, in den Jahren 2001 bis 2002 eine Gesamtsanierung der eigenen Liegenschaft durchzuführen. Nach Abschluss dieses umfangreichen Projektes ist das Areal laut Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, und dem Umweltbundesamt als völlig gesichert und saniert anzusehen.
Die benachbarte Kriegsaltlast „Shell-Pilzgasse“ wurde kurze Zeit später durch ein großdimensioniertes Sanierungsprojekt ebenfalls abgesichert, so dass der gesamte Bereich von Floridsdorf heute als beispielhafte Altlastensanierung bezeichnet werden kann.
Heute, nach einer hundertjährigen, bewegten Geschichte der Vereinigten Chemischen Fabriken, stellt der Betrieb des Gewerbeparkes den einzigen jedoch erfolgreichen Unternehmensgegenstand dar.
Knapp 40 verschiedene Klein- und Mittelbetriebe haben ihren Firmenstandort oder eine Niederlassung auf der zur Gänze sanierten und adaptierten Liegenschaft im „Herzen von Floridsdorf“ begründet.
Über zwanzig einzelne Gebäude von einigen hundert bis mehreren tausend Quadratmeter Grundfläche bieten Raum für Produktion, Lager und Büro. Die Erhaltung und Pflege der alten Industriebauten aus Ziegel ist Basis der charakteristischen Atmosphäre im Gewerbepark. Umfangreiche und weitläufige Freiflächen runden das Nutzungsangebot ab. Mehrere LKW-gerechte Werkseinfahrten sowie die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel (Bus und U-Bahn) und die neu errichtete B3, direkt an der Grundstücksgrenze seien nur beispielhaft erwähnt.